War Nino Kipiani Die Prinzessin Meri Scherwaschidse?

Seit vielen Jahren habe ich über Kurban Said, den berühmten Autor des Romans von Ali und Nino, der inzwischen in die meisten Sprachen der Welt übersetzt wurde, recherchiert. Da ich in Deutschland lebe und Deutsch kann, habe ich all die Orte gesehen, an denen Kurban Said lebte, die Häuser, Straßen, Kaffeehäuser und Restaurants. Ich habe Archivdokumente über ihn in die Hand bekommen und habe seine Handschrift gelesen. Ich fand und veröffentlichte die Briefe und Schriften seiner Bekannten und Freunde, wie die des türkischen Journalisten Nadir Nadi, der ihn in Berlin und Wien traf. Ich habe die Archive seriöser Forscher wie Prof. Gerhard Höpp, der die ersten Nachforschungen über ihn anstellte und von Aserbaidschans großem Freund Ahmed Schmiede gesehen. Ich habe gelesen, was Forscher wie Tom Reiss geschrieben haben. Ich habe mit Verlegern wie Hans Jürgen Mauerer, einem absoluten Liebhaber von Kurban Said (Essad Bey), Gedanken ausgetauscht.

Obwohl ich nach langen Nachforschungen in allen Werken von Kurban Said Übertreibungen, Fehler, Lügen, Erfindungen und manchmal auch unfaire Beschuldigungen feststellte, erregte ein wichtiges Detail meine Aufmerksamkeit. Auch wenn die Persönlichkeiten in den Werken die er schrieb (wie Zeynalabidin Tagijew) nicht realistisch beschrieben und dargestellt wurden, handelte es sich doch bei allen um real existierende Menschen. Ich denke, dass zum Beispiel Persönlichkeiten wie Fethali Khan, Zeynalabidin Tagijew, Ilyas Bey, Schemsi Esedullah und andere Persönlichkeiten neben Nino, Seyit Mustafa, Mehmet Haydar und Aslan Bey die wir als historische Persönlichkeiten aus Ali und Nino kennen, ebenfalls nicht fiktiv sind. Wenn es weiter untersucht wird, wird sich vielleicht herausstellen, dass es zu dieser Zeit Personen mit diesen Namen gab.

In seinen anderen Werken erwähnte Kurban Said ebenfalls reale Personen. Zum Beispiel würde ich nachdem ich eine Untersuchung gemacht hatte, erfahren und überrascht sein, dass Aziyades Verlobter Prinz Abdulkerim in seinem Roman ‚Das Mädchen vom Goldenen Horn‘ der in Aserbaidschan fälschlicherweise unter dem Namen ‚Altunsatsch‘ (Goldhaar) veröffentlicht wurde, real ist. In der Tat war Prinz Mehmet Abdulkerim Efendi, der in der gleichen Zeit mit Kurban Said lebte, der Enkel von Sultan Abdulhamid II. Er lebte in Amerika und als er im Jahre 1935 in seinem Hotel erschossen aufgefunden wurde, wurde tagelang in allen Zeitungen der Welt über ihn berichtet. Vielleicht hatte er keine Verlobte namens Aziyade, aber dieser Prinz der sich nun als Amerikaner fühlte, war sicherlich eine Inspirationsquelle für Kurban Said.

Nachdem ich diese erklärt habe, möchte ich zu unserem Hauptthema kommen. Existierten die Personen die der Autor Kurban Said in dem Roman ‚Ali und Nino‘ bis hin zu Mirza Mansur Katschar der Gandsche verteidigte und der Prinzessin Nino Kipiani, der Jugendliebe seines Haupthelden Ali Khan Schirwanschir beschrieb, tatsächlich?

In seinem Roman Ali und Nino wird Nino Kipiani als georgische Prinzessin beschrieben. Ihr Vater lebte jahrelang in Sankt Petersburg um den Titel eines Prinzen zu erhalten. Und Nino wird schon auf der achten Seite des Romans als ‚das schönste Mädchen der Welt‘ dargestellt.

Gemäß den Unterlagen in unseren Händen ist Kurban Said 15 Jahre alt, als er Aserbaidschan verlässt und 16, als er Georgien mit dem letzten Schiff (im Jahre 1921) verlässt. Manche Forscher sagen, dass er älter ist.

Das unabhängige Georgien wurde nach Aserbaidschan am 25. Februar 1921 von der Roten Armee besetzt. Bevor die russischen Soldaten Batum erreichen, fährt ein letztes Dampfschiff von der Küste nach Istanbul ab. Kurban Said und sein Vater Abraham Bey befinden sich auf diesem Schiff. Das Schiff trug den Namen Kleopatra.

„Endlich gingen wir an Bord des schönen, italienischen Dampfschiffes das uns nach Istanbul bringen würde. Auf dem Schiff gab es Bars, Orchester und Luxuskabinen.[1]

Seinen Schriften gemäß befinden sich auf dem letzten Schiff das nach Istanbul fährt ‚Politiker, feudale Herren, Herrscher und Erdölindustrielle‘. Die Reise sollte vier Tage dauern. Aber es gibt noch jemanden auf dem Schiff den alle mit Bewunderung anblicken. Es ist die Schönste der Schönen, die georgische Prinzessin Meri Scherwaschidse… Obwohl die schöne Meri älter als Kurban Said ist (sie ist 33 Jahre alt), ist uns ja allen die Traumwelt der 15 – 16-jährigen Jugendlichen bekannt.

Meri Scherwaschidse wurde im Jahre 1888 in einer Adelsfamilie in Batum geboren. Ihr Vater, der Prokop Scherwaschidse lebte wie Nino Kipianis Vater 25 Jahre in Sankt Petersburg und erhielt den Prinzentitel vom Zaren. Kurban Said beschreibt in seinem Roman Ali und Nino den Erhalt des Prinzentitels des Prinzen Kapiani wie folgt:

„Ihr Vater hatte sich in Sankt Petersburg genau 24 Jahre um diesen Titel bemüht. Das aus Sankt Petersburg erwartete Telegramm kam heute Morgen an. Der alte Mann freute sich wie ein Kind das wieder mit seiner sterbenden Mutter vereint war und lud alle zu einer Feierlichkeit ein[2]

Meri Scherwaschidse ist ein Mädchen, das mit seiner Schönheit die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht. Im Jahre 1912 stellte man sie Zar Nikolai II. zusammen mit mehreren georgischen Frauen vor. In verschiedenen Quellen steht, dass Zar Nikolay “Was für eine Schönheit” rief, als er die georgischen Frauen sah und danach sah er Meri an und sagte: “Es ist eine Sünde, so schön zu sein[3].”

Mit großer Wahrscheinlichkeit kannte Kurban Said die Prinzessin Meri bevor er an Bord des Schiffes nach Istanbul ging. Denn in seiner handschriftlichen Biographie mit dem Titel ‚Der Mann der nichts von Liebe versteht‘ die er vor seinem Tod schrieb und die sich bei dem amerikanischen Journalisten Tom Reiss befindet schrieb er, dass in Georgien die Beziehungen seines Vaters zu Zekeriya Mdiwani gut sind und dass sie in ihrer Villa in Batum wohnten. Der eigentliche Name von Zekeriya Mdiwani ist Zacharia Mdiwani und die Mdiwanis sind eine wichtige Familie in Georgien. Zacharia Mdiwani war General in der Armee des Zaren. Nachdem Georgien von den Sowjets besetzt wurde, ließ er sich in Paris nieder und knüpfte enge Beziehungen mit der französischen Society.

Kurban Said schreibt in seiner Biographie mit dem Titel ‚Der Mann der nichts von Liebe versteht‘ lang und breit über diese Familie und dass er mit den Söhnen von Zekeriya Mdiwani, Aleksi und David, eng befreundet ist und dass sie gemeinsam an Bord des nach Istanbul fahrenden italienischen Schiffes gegangen sind[4]. Diesen Information zufolge kann man sagen, dass Kurban Said die Prinzessin Meri schon vorher durch die Familie Mdiwani gekannt hatte.

Prinzessin Meri ist mit dem Bürgermeister der Stadt Kutaisi, Giguscha Eristawi, verlobt. Aber ihr Verlobter wurde nach Istanbul verbannt. Sie ging gemeinsam mit ihrer Mutter Nino an Bord des letzten Schiffes das von Batum abfuhr und traf in Istanbul auf ihren Verlobten.

Weil zu dieser Zeit die Pest ausgebrochen war, stand das nach Istanbul fahrende italienische Schiff zwei Wochen unter Quarantäne. Es ist unmöglich, dass Kurban Said während dieser zwei Wochen die schönste Prinzessin der Welt nicht näher kennenlernte.

Ich schrieb für Meri ‚sie ist die Schönheit der Welt‘, denn wenn sie in Istanbul landeten, würden die Briten die in Istanbul mit der Besetzung beschäftigt waren einen Weltschönheitswettbewerb organisieren und Meri Scherwaschidse würde bei diesem Wettbewerb als Schönheitskönigin auserwählt. Vielleicht würde Kurban Said, als er fünfzehn Jahre später seinen Roman schrieb, aus diesem Grund auch schreiben: ‚Nino war das schönste Mädchen auf der Welt‘.

Genau wie im Roman Ali und Nino beschrieben, hat Meri Scherwaschidse eine hohe Statur, eine schlanke Taille, glänzende, große Augen und einen markanten Hals mit sichtbarer Länge.

Die Migranten die nicht im unter Besatzung stehenden Istanbul leben können, gehen in die französische Hauptstadt Paris. Auch Kurban Said und sein Vater sind gemeinsam mit Prinzessin Meri in Paris. Kurban Said und sein Vater die eine Weile in Paris bei ihren Verwandten mütterlicherseits wohnen, ziehen nach Berlin. Die Prinzessin Meri und ihre Mutter Nino aber bleiben in Paris.

Obwohl Prinzessin Meris Mutter Nino eine adlige Frau ist, möchte sie arbeiten und bekommt eine Stelle als Schneiderin in einer Nähwerkstatt. Die fleißige Nino Scherwaschidse eröffnet nach kurzer Zeit mit ihrem eigenen verdienten Geld eine eigene Schneiderei in Paris. Prinzessin Meris Verlobter und späterer Ehemann Giguscha Eristawi verliert in sehr jungen Jahren in Paris sein Leben. Prinzessin Meri bleibt mit ihrer Mutter und den Kindern ihrer Schwester allein zurück. Sie beginnen in Paris zu leben, indem sie eine Wohnung in der Rue de la Tour kaufen. Aber ihr Geld geht Tag für Tag zur Neige. Sie fangen an, ihre Sachen zu verkaufen. Sie verkaufen sogar auch eine goldene Schnupftabakdose die Nikolai II. Prinzessin Meri schenkte. Prinzessin Meri blieb nichts anderes übrig als nach Arbeit zu suchen. Als Prinzessin Meri eines Tages in den Straßen von Paris spazieren geht, lernt sie den Großfürsten Dimitri Pawlowitsch kennen. Weil Prinz Pawlowitsch Coco Chanel genau kennt, empfiehlt er ihnen Meri und Meri, die Schönheit der Schönheiten beginnt ab diesem Tag in Coco Chanels Studio zu arbeiten.

Die Pariser verliebten sich bald in ihren Kleidungsstil und ihre von Gott gegebene Schönheit. Jeden Tag werden Fotos von ihr in den Zeitungen veröffentlicht. Der bekannte Künstler Savely Sorine fertigt ein Ölgemälde an. Dieses Bild hängt heute im Palast des Prinzen von Monaco.

Der georgische Dichter Galaktion Tabidse schrieb 1915 ein Gedicht mit dem Titel ‚Meri‘ und in kurzer Zeit kannten alle dieses Gedicht auswendig. Angeblich sah der Dichter Tabidse Prinzessin Meri in der Stadt Kutaisi spazieren gehen und schrieb dieses Gedicht. Einem zweiten Gerücht zufolge, sah Tabidse Prinzessin Meri zum zweiten Mal zufällig, als sie in Paris in dem Park vor dem Louvre-Museum saß.

„Der Zweig der Pappel ist verdorrt,
Wer weiß, wer weiß, Meri!
Für wen bete ich?
Warum ist das Schicksal so, Meri?“

Der Dichter Tabidse ist drei Jahre jünger als Prinzessin Meri und wurde 1891 in Vani geboren. Er beeinflusste fast alle georgischen Dichter die mit ihren Gedichten nach ihm kamen. Seine Verwandten und Freunde kamen während Stalins Säuberungsaktionen in den 1930-er Jahren ums Leben, seine Frau Olga Okutschawa wurde nach Sibirien deportiert. Er selbst blieb am Leben, litt aber unter Depressionen. Seit diesem Tag traf er niemanden mehr und schloss auch keine Freundschaften mehr. Sein Neffe Tizian Tabidse gab ihm den Namen ‚Der Ritter der einsamen Orden‘. Der Dichter verstarb im Jahre 1959 im psychiatrischen Krankenhaus von Tiflis. In einem Abschnitt seines Gedichts mit dem Titel ‚Meri‘ rebelliert er gegen die Heirat Meris mit ihrem Verlobten Eristawi:

„Meri heiratete in einer regnerischen Nacht
Und in einer regnerischen Nacht verfluchte ich Meri.
Ich konnte die Türen nicht öffnen,
Die zwischen uns standen,
Und ich küsste diese Türen.“

Vielleicht wurde auch der Fluch des Dichter Tabidse angenommen und ihre Ehe mit Giguscha Eristawi war nur von sehr kurzer Dauer. Aber Prinzessin Meri Scherwaschidse lebte sehr lange. Sie zog die Kinder ihrer Schwester Constantine und Nino groß. Unter den Freunden Prinzessin Meris in Paris gab es auch einen namens Dadiani den sie so wie Ali Khan Schirwanschir bei Peschpursbrunnen kennenlernte. Dieser Mann namens Babo Didiani war ein Freund ihres Ehemannes.

Meri verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens in einem Pflegeheim in Paris. Sie war immer noch eine sehr elegante und schöne Frau, als sie am 21. Januar 1986 im Alter von 97 Jahren starb.

Wann immer die georgischen Quellen[5] in den Sinn kommen, schreiben sie, dass Meris Nachname nichts mit den Schirwanschahs zu tun hat und unbestrittenermaßen ein georgischer Nachname sei, dessen Wurzel aus dem Dorf ‚Scharwasch‘ stammt.

Immer wenn ich ein Bild von Prinzessin Meri sehe, denke ich immer an den jungen und liebevollenKurban Said und Prinzessin Nino Kipiani.

Hinweis: Wer mehr über die Schönheitskönigin Prinzessin Meri Scharwaschidse erfahren möchte, kann sich auch auf die folgenden Ressourcen beziehen.

Orhan ARAS

Dipnotlar

[1] Esad Bey, Erdöl und Blut im Orient‘, S. 340
[2] Kurban Said, Ali und Nino‘, S. 51
[3] https://abaza.org/tr/sanatchy-ve-shairlerin-ilham-kaynagy-meri-shervashidze-chachba
[4] Tom Reiss, der Orientalist, S. 158
[5] www.gurcuhaber.com/2020/06/23/2144

Kaynakça

  1. https://tetripiala.wordpress.com/2017/12/08/bir-siirin-oykusu-galaktion-ve-meri/
  2. https://iberiana.webs.com/geosur/shervashidze.htm
  3. https://abaza.org/tr/sanatchy-ve-shairlerin-ilham-kaynagy-meri-shervashidze-chachba

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